Das Hôtel de la Marine ist eines der großen Geheimnisse im Zentrum von Paris, versteckt in aller Offenheit auf der Nordseite der Place de la Concorde. Es ist der östliche der beiden identischen Paläste, die der königliche Architekt Ange-Jacques Gabriel zwischen 1757 und 1774 errichten ließ, um den damaligen Place Louis XV einzurahmen – eine lange, lichtdurchflutete Kolonnade aus korinthischen Doppelsäulen über einer steinernen Arkade, eines der prägenden Bilder der französischen neoklassizistischen Architektur. In seinen ersten Jahrzehnten war es kein privates Stadtpalais, sondern das Garde-Meuble de la Couronne: das königliche Lagerhaus, in dem die Möbel, Wandteppiche, Waffen und Juwelen der Krone aufbewahrt, konserviert und ausgestellt wurden.
Hier, im Jahr 1792, wurde ein Teil der bei der Krönung verwendeten Kronjuwelen gestohlen – darunter der berühmte Regent-Diamant, einer der bekanntesten Diamanten der Welt, der etwa ein Jahr später wieder auftauchte und heute im Louvre zu den französischen Kronjuwelen zählt. Nach der Revolution wurde das Gebäude der Marine übergeben und diente fast zwei Jahrhunderte lang als Ministère de la Marine – der Hauptsitz der französischen Marine – bis das Ministerium 2015 auszog. Diese lange Nutzung durch die Marine gab dem Palast seinen Namen und hinterließ eines der letzten großen, nie öffentlich zugänglichen Innenräume des 18. Jahrhunderts in Paris.
Im Juni 2021 öffnete das Hôtel de la Marine nach einer sorgfältigen, vierjährigen Restaurierung durch das Centre des monuments nationaux endlich seine Türen. Besucher können nun die üppig restaurierten Wohnräume des Intendanten des Garde-Meuble durchschreiten, die so möbliert sind, wie sie am Vorabend der Revolution waren; die vergoldeten Staatsalons mit Blick auf die Concorde; und die Loggia, die sich über die gesamte Fassade erstreckt und einen der schönsten Ausblicke in Paris bietet – direkt über den Platz zum Obelisken, zu den Tuilerien und dahinter zum Eiffelturm. Ein gefeiertes 3D-Audio-Headset, das während des gesamten Besuchs getragen wird, verwandelt den Rundgang in eine geflüsterte, raumweise Erzählung.